Ein Skatepark für Pérez – Episode III

Einen bin ich euch noch schuldig … richtig klassisch wie im modernen Kino, verpackt als Trilogie, mit Höhen und Tiefen und garantiert ohne Längen.

Letztendlich ist die letzte Episode schnell erzählt: Wir haben neulichst im Beisein von einigen hundert Jugendlichen aus Pérez und Titus Dittmann, dem Geldgeber aus Deutschland, den Skatepark eröffnet, es ist also alles gut ausgegangen. Nachdem wir uns mehr als acht Wochen zu fünft, zu viert oder wenns ganz hart kam auch mal nen Tag zu dritt den Rücken krum gebuckelt hatten, bekamen wir in der letzten Woche Verstärkung internationalen Formats von zwei Amis namens Chet Childress (Black Label, wer ihn nicht kennt einfach mal King Of The Road 2007 auschecken), Al Partenen (Creature), von Hjalte Halberg (Polar Skateboards) aus Dänemark, Gabriel Engelke aus Schweden, Jan Kliewer aus Berlin und dem Chefredakteur vom Kingpin Mag, Alex Irvine aus England.

Wir hatten Spaß und haben hart gearbeitet, und der Park ist richtig geil geworden. Olman Torres, Chefredakteur vom Blast Skatemag, dem einzigen in Zentralamerika, titulierte den Pura Vida Skatepark als den “wahrscheinlich schönsten Betonskatepark Zentralamerikas” … Ritterschlag oder what. Die sexy Bürgermeisterin von Pérez, Vera Corrales, hat sich leider bislang ebensowenig auf dem Skatepark blicken lassen wie irgendwelche dicken Ami-Sponsoren, die nochmal richtig schön Geld reinpumpen für Beleuchtung oder sogar ein Dach über der Anlage. Aber die Jungs aus der Gegend haben Spaß und jede Woche wenn man hinkommt können sie neue Tricks, der erste Profiskater aus Pérez ist keine Utopie mehr sondern vielmehr nur noch eine Frage der Zeit!

Für mich war es wie im Rückblick I beschrieben irgendwie das Highlight meines Jahres hier, etwas was echt bleiben wird noch lange nachdem ich wieder verschwunden bin. Ich danke Christian Petzold dafür, dass er das alles angeschoben und ins Leben gerufen hat … und, so richtig typisch Trilogie schließt sich der Kreis mit dem Gruß an mein man Mirko, den ich in zwei Wochen oder so wiedersehe und es gar nicht erwarten kann. Yeah!

Rückblick I

Meine Zeit in San Isidro de El General, Pérez Zeledón, oder wie wir Ticos sagen Pérez, oder PZa, geht zuende. Nicht, dass ich gehen wollen würde. Aber gewisse Umstände (Geld) zwingen mich dazu, diesen wunderschönen Flecken Erde zu verlassen und woanders neu durchzustarten. Übermorgen habe ich Jahrestag in Costa Rica, und ca. 3 Wochen später geht mein Flieger.

Gegen Ende so eines Jahres kommt man natürlich ins Grübeln und Reflektieren. Ich mache mir in den letzten Wochen, seit feststeht, dass ich nun bald weg bin, verstärkt Gedanken über das was hier eigentlich passiert ist, und was es mich gelehrt und was es mir gebracht hat. Könnte sein, dass hier in nächster Zeit n paar ziemlich schwammige Texte auftauchen über den Tico und den Deutschen an sich, interkulturelle Unterschiede und sonstigen Blödsinn. Vielleicht schaffe ichs auch, drauf zu verzichten. Heute fange ich erstmal ganz handfest an mit einem chronologischen Rückblick über die vergangenen 12 Monate … was ging denn ab.

Ich kam an am 07. April 2011, total durch nach 20 Stunden Flug, lernte Danja auf dem Sofa im Comedor kennen und einige andere, und zog direkt ein ins “Casa Nueva”, wo die vollkommen vercrackten Oscar und Norman auf dem Bett rumlagen und durch ne Pfeife Gras rauchten und ich dachte nur WAS SOLL DAS HIER WERDEN. Danach knapp eine Woche mit Jetlag und Schlafproblemen verbracht und klargekommen.

Nach ca. zwei Wochen die Frage von Mirko, ob ich bock hab ne Website zu bauen. Im Team mit Mirko und Webdesigner Robert eingeschlossen in der Cascada und gebastelt wie die Weltmeister. Allein die Suche eines geeigneten CMS!!! Man man man Robert, was haben wir geschwitzt. Aber nach 6 Wochen fertig geworden und abgegeben das Ding. Ergebnis sichtbar auf www.vida-nueva.co.cr. In der Zeit drei mal jeweils eine Woche Flitzekacke gehabt, so übel wie noch nie vorher in meinem Leben, am schlimmsten während des Trainingslagers in Longo Mai. Leitungswasser- und Nahrungsmittelbakterien-Umstellung bestimmt. Seitdem absolut abgehärteten Schweinemagen am Start, nie wieder Probleme gehabt.

Schon vor Fertigstellung der Website war Aufbruch der Grupo Fijo und aller Verantwortlicher des Circo FantazzTico nach Europa, drei Monate Tour. In der Folge das große Loch … keiner mehr da! Es folgte der Aufbau einer neuen Auftrittsgruppe um in den drei Monaten trotzdem Shows vor Ort präsentieren zu können. In diesen Wochen Abschied über Abschied von allen Volontären der Saison 2010/2011, jede Woche Party und Tränen. Am Ende chillen mit drei oder vier verbliebenen hartgesottenen Volontären im Comedor.

Doch jedes Ende ist ein Anfang, kurz darauf trafen die ersten Volontäre 2011/2012 ein. Viele verunsicherte Gesichter, viele Fragen, viel Chaos. Viel Umstellung für alle Beteiligten. Inzwischen war es Juli/August und es folgte die Rückkehr der Europagruppe. Kennen lernen von den “alten” Kindern mit den neuen Volontären, verbunden mit ner Menge Schweiß und Tränen aufgrund rebellierender Kids die die neuen Autoritätspersonen gar nicht akzeptieren konnten. Aber keine Zeit für große Diskussionen, denn am 30. September Auftritt im “Estadio Nacional” vor 10.000 Menschen. Show ausgearbeitet mit Nelly und Christopher, trainiert wie verrückt und Nelly ein 12x4m Banner gemalt … u.a.!!

Nach dem mega Stress und dem Erfolg im Estadio Nacional durchatmen, abhängen mit KreeZee, Konni, Dexter, zeitweise mit David und Styx, dann mit Conny … beste alte und neue Freunde in fremder Umgebung. Schön wars! Wieder viel Feierei, coole Reisen u.a. nach Nicaragua, viele wichtige und tiefe Gespräche. Mit David und vielen anderen sein Bewerbungsvideo “Die Rothaarige” gedreht, mega coole Sache. Und dann professionellste Arbeit mit Dexter für verschiedene Ticos … viel gelernt, wenig verdient. ;-)

Im Dezember mit Trommeln angefangen (Dundunes und Djembe) mit Dario, also meine alte Liebe zum Trommeln wiederentdeckt. Danke dafür an Dario. Mit den neuen Rhythmen im Gepäck und den ganzen Volontären nach Montezuma gereist, um dort Weihnachten und Neujahr zu verbringen. Feuershows jeden Abend mit Jonathan, Carolina, Dario und wechselnden Gästen. Zwei Wochen im Ferienparadies gelebt und keinen Cent draufgezahlt, war eine geniale Erfahrung. Und Weihnachten unter Palmen schickt einfach nur. Zu Silvester gab es Shrimps am Strand …

Zurück nach Pérez am 2. Januar, direkt darauf nach Granada, Nicaragua. Mit dem Zirkus zum “Berrinche Ambiental”, einem Kunst- und Kulturfestival voller Hippies und Künstlern aus Zentralamerika. Noch mehr getrommelt, viele unglaublich nette Menschen kennen gelernt. Am letzten Tag riesige Show im Zentrum Granadas mit 200 Akteuren und 25 Musikern, der absolute Hammer. Wird auch irgendwann ne Video-Doku geben glaub ich, freu ich mich drauf. Nebenbei jeden Abend Feuershows mit den heftigsten Feuerjongleuren in der Innenstadt.

Schon seit November immer Kontakt mit Christian aus Dresden gehabt und erfolglos versucht über die Stadt Pérez eine Location für den Bau eines sogenannten Skateparks zu bekommen. Ein Skatepark? Was ist das denn? Dann Mitte Januar Christian und Louie in Empfang genommen, und mit ihnen weitergehustlet, die konkrete Geschichte siehe hier und hier, letzte Episode schreib ich noch die Tage … Seit zwei Wochen steht der Park, jeden Tag sind 50 Skater da am Tricks üben und sich über den Haufen fahren, Sonntag ist die Einweihungsfete. Mission Costa Rica wirkt seitdem für mich irgendwie erfüllt. Die letzten zwei Wochen des Baus mit den Skate-Pros Chat Childress, Al Partenen (beide USA), Hjalte Halberg (Dänemark), Jan Kliewer (Berlin) und Gabriel Engelke (Schweden) und Alex Irvine (GB), Chefredakteur von Kingpin, abgehangen, Rampen gebaut, Tricks gefilmt und Spaß gehabt. Richtig coole Leute und was ne Ehre mit denen steil zu gehen.

Dann eine Woche Nicaragua mit einer ganz besonderen Person, die Stadt Leon und das Hostel Via Via kennen und lieben gelernt, dort versackt vor der Weiterreise nach Masaya und schließlich Rückkehr nach Granada. Gänsehaut beim erneuten Betreten des Platzes wo die Show dort stattfand, und riesen Freude als einige Straßenkids mich wieder erkannten und fragten wo denn meine Trommel sei.

Seitdem wieder mal zurück in Pérez, schon lange fühlt sich jede Wiederkehr in das beschauliche Städtchen an wie nach Hause kommen. Aber diesmal ist das Gefühl anders, denn ich weiß, dass ich demnächst gehen und nicht ne Woche oder zwei später wieder zurück kehren werde. Wenn ich überhaupt noch mal wiederkommen kann, dann wird es zumindest einige Monate dauern, evtl. sogar Jahre, das hängt von meinem Glück in D ab. Henrik ohne D wird bald wieder zu Henrik in D, wenn auch zum Glück trotzdem noch lange nicht zu Hendrik. Jetzt sitze ich hier und bin irgendwie gar nicht mehr richtig da, chille jeden Tag im Internet und beschäftige mich schon mehr damit was drüben so läuft als was hier passiert, wahrscheinlich unterbewusste Vorsichtsmaßnahme, damit der Aufprall in drei Wochen nicht so hart wird. Ich hoffe ihr lieben Leute in der alten Heimat fangt mich auf – ich bin froh, dass es euch gibt und dass ich euch bald wiedersehen darf. Und dann erzähl ich euch jede der Stories von oben nochmal ganz genau, bis ihr kotzt oder ich. ;-)

Große Ausreißer, kleine Ausreißer

In meinem ersten Doppel-Buch-Rezensions-Versuch vor einigen Wochen konnte ich noch relativ glaubhaft vermitteln, dass es wirklich zufällig war, oder höchstens Muddis Absicht mit ihren Geschenken, dass die Namen “Der Koch” und “Der Schwimmer” so sehr passen, dass das nicht in einem Text zusammen zu schreiben schon irrwitzig wäre. Aber wenn ich jetzt sage, dass nachfolgend zwei Bücher kritisiert werden, die beide von minderjährigen Jungs handeln, die von zuhause abhauen, dann wird mir den real vorliegenden Zufall sicher keiner mehr abnehmen. Ist aber auch vollkommen Hupe.

Die beiden Bücher, die ich zuletzt gelesen habe, sind “Tschick” von Wolfgang Herrndorf und “Kafka am Strand” von Haruki Murakami. Vielleicht auch nicht ganz fair, irgend so einen deutschen Buchschreiber mit DEM japanischen Autor der letzten Jahre zu vergleichen, der weltweit gefeiert wird. Aber ich kannte beide vor den beiden Büchern nicht, also mir vollkommen egal wer die sind. Fakt ist, dass ich wieder einen Büchertipp und eine mehr oder weniger Warnung rausgebe, wenn auch Warnung mit Einschränkung.

Beide Bücher beschäftigen sich mit Jugendlichen und deren Sinnsuche. Doch während sich Maik Klingenberg, Hauptdarsteller in “Tschick”, Fragen stellt wie z.B. die wozu man einen Anwalt braucht, lässt Murakami sich seinen Tamura Kafka die großen Fragen des Lebens stellen, wie wohin wir gehen und warum. Und beschreibt die Antworten in einer so einfachen wie poetischen Sprache.

Der große Unterschied zwischen der Qualität der beiden Romanen sind jedoch die Charaktäre. Marakumi lässt in seiner Märchen-ähnlichen Geschichte einen geistig scheinbar zurückgebliebenen älteren Mann, der mit Katzen sprechen kann und von sich selbst nur in der dritten Person spricht auf einen wesentlich jüngeren, armseligen, Fernkraftfahrer treffen, der in seinem Leben alles verkackt hat und sich an ebenjenem alten Mann ein Vorbild nimmt um sein Leben umzugestalten. Oder er bringt Hauptdarsteller Tamura Kafka mit einem schwulen Mädchen in Diskussionen, einem Mann der den Körper einer Frau hat aber auch nicht so richtig und sich demnach als schwul bezeichnet aber zwischen allen Stühlen sitzt. Fucking great stuff. Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow, ist Russlanddeutscher, und für seine jungen Jahre schon gut alkoholisch unterwegs. Er klaut mit Maik Klingenberg einen Wagen um dessen großer Flamme Tatjana Cosic ein von ihm gemaltes Bild deren großer Heldin Beyoncé bei einer Party vorbei zu bringen, wo beide nicht eingeladen sind. Ja. Und dann fahren sie los, um in die “Wallachei” zu Verwandten von Tschick zu gelangen, wobei Maik relativ lange nicht glauben kann, dass es diesen Ort tatsächlich gibt. Witzig, oder?

Tamura Kafka ist ein vernachlässigter fünfzehnjähriger aus Tokio, sein Vater gefeierter Bildhauer und abolut nicht fürsorglich, seine Mama mit der Schwester als er vier war abgehauen. Er macht sich auf, dieser Situation zu entfliehen, wird aber wenig später von der Polizei gesucht, weil sein Vater tot zuhause aufgefunden wird. Man will gar nix weiter erzählen, um nix dieser irrwitzigen, poetischen, tiefsinnigen Geschichte vorweg zu nehmen. Lest sie, egal ob ihr 17 oder 70 seid. Ihr werdet Spaß haben! Und gebt “Tschick” an eure 14-jährigen Geschwister weiter, die können sich da sicher mehr draus ziehen als ihr …

Ein Skatepark für Pérez – Episode II

Nach dem Hin und Her in der Episode I geht jetzt auf einmal alles ganz schnell: Ein Bagger kam, sah und glich den Skatepark-Boden an, danach haben wir Rückwände für die Rampen gemauert, Lasterweise rote Erde in verschiedenen Ecken aufgetürmt und dann in stundenlanger Schaufelarbeit zu schon rampenähnlichen Hügeln bewegt. Ich kann jetzt Mauern hochziehen, Zement mischen und wat weiß ich alles, bockt sich ohne Ende. In meinem nächsten Leben werde ich Bauarbeiter glaub ich.

Alles das passiert zentimetergenau und überexakt nach dem Bauplan von Architekt Arne, nee überhaupt nicht, Bauprinzip ist pura vida, was also nicht passt wird passend und nach jedem Handschlag erstmal Pause gemacht. Pura vida, mae. Arne ist 37 Jahre alt und schon 20 Jahre in der Skaterszene Deutschlands am Start. Mehr als fünf Jahre lang brachte er, aufgrund chronischem Geldmangels mehr oder weniger regelmäßig, das Von-Skatern-Für-Skater-Mag “Boardstein” raus, wo er neben dem Vertrieb und allem auch fast alle Artikel immer selbst schrieb. Dadurch ist er in ganz Europa rumgekommen und hat so einige witzige Geschichten zu erzählen. Am Ende war dann irgendwann vorbei weil kein Bock mehr auf den ganzen Stress und durch die Wirtschaftskrise 2009 dann noch weniger Kohle durch Anzeigen am Start gewesen als sowieso schon. Irgendwie so. Danach hat er angefangen Skateparks zu bauen, unter anderem im vergangenen Herbst den Skatepark hinter der Roten Flora in Hamburg fertig gemacht (yeah!!). Der Pura Vida Skatepark ist sein 13ter, bäm. Schon ein geiles Leben, rumfahren und Skateparks bauen.

Beim Bau helfen uns voll viele Leute immer, vor allem Ricardo und seine Skaterfreunde, aber auch Volontäre von Vida Nueva sind mit am Start. Und ein paar nichtmal schaufelgroße Stöpsel von 11 oder 12 Jahren die in der Nachbarschaft wohnen stehen uns jeden Tag auf den Füßen rum, aber manchmal packen sie auch mit an. Vor allem aber nerven sie uns tot und unterhalten uns prächtig.

Momentan packen wir jetzt auf die Erdhügel überall Bewehrungsstahl, angeblich damit später der Zement bleibt wie er soll, ich hab ja keine Ahnung aber vertraue Arne und den dresdner Bauspezialisten blind. Ab Mittwoch kommt dann lasterweise Zement an, yeah, das wird ne riesen Sauerei glaub ich!

Nebenbei planen wir die Episode III … z.B. das Einweihungsfestival am 14. April, mit Livemucke und Skatewettbewerben und alle können hinterm Skatepark zelten, und hoffentlich kommt die heiße neue Bürgermeisterin von Pérez auch vorbei haha. Und ich mach mich jetzt denn ran die Rampen als Werbeflächen zu vermieten, damit cachinggg die Kasse klingelt, und Volontäre will ich auch finden die in den Zimmern da direkt am Skatepark wohnen wollen und den Kids Tricks beibringen und aufpassen, dass die kein Scheiß bauen. Wenn ihr einen kennt, der als skatender Volontär ne Zeit im Pérezdise in Costa Rica verbringen will, dann sagt ihm bescheid, damit der sich mal meldet!

Ein Skatepark für Pérez – Episode I

Es begab sich aber zu der Zeit, da kam ich im April 2011 nach Pérez und lernte den Volontär Mirko Rachow (Foto) kennen. Eines der ersten Gespräche mit ihm, an das ich mich erinnern kann, lief ungefähr folgendermaßen.
Mirko: „Hast du Bock ne Website zu bauen?“
Henrik: „Klar, rockt.“

Im Triumvirat mit Webdesigner Robert machten wir uns ran, haben sechs Wochen getüftelt und gebastelt und es kam raus: www.vida-nueva.co.cr. Mirko dabei als Grafiker und ich als Texter unterwegs. Arbeitsklima: Pura Vida.

Später, so im Juli, als fast alle Volontäre der Saison 2010/11 verschwunden waren und wir nur noch zu viert die Circo-Fahne hochhielten, wurden Mirko und ich richtig dicke, eigentlich schon vorher aber in der Zeit dann richtig richtig. Gefeiert ham wa, Musik verglichen, übers Leben philosophiert. Beeindruckt hat mich der Jung’ vor allem in seinen letzten Tagen in Pérez: Nach wochenlangem hin und her hat er den Auftrag bekommen, 150qm Außenwände des „Praditos“, einer unserer Lieblingsbars, neu zu gestalten. Er hatte nur noch sieben Tage bis zum Abflug.

Also ging Mirko los, kaufte eimerweise Farbe, einige Pinsel und Spraydosen, und malte. Er malte sieben Tage lang, von 11 Uhr morgens bis teilweise nach 2 Uhr nachts, fiel tot ins Bett, nur um am nächsten Morgen um 10 aufzustehen und um 11 Uhr weiter zu pinseln. Absolut überheftiger Macker. Wenn ich ihm nicht ab und zu ‘ne Cola und ein Pinto vorbei gebracht hätte, hätte der außer Ziaretten und nach 18 Uhr auch Bierchen glaub ich gar nichts mehr zu sich genommen. Echte Künstler – schön, dass es euch, schön dass es euch gibt! Überflüssig zu erwähnen, dass das Bild am Ende fertig und richtig geil geworden ist.

So. Nebenbei erwähnte Mirko immer wieder was von irgendwelchen Skatern aus Dresden, die nen Skatepark in Pérez bauen wollen. Irgendwelche Kollegen von ihm, ein Typ mit dem er Design gelernt hat, und der ursprünglich vorhatte ne Doku über den Circo zu drehen aber dann lieber nen Skatepark bauen will und das ganze filmen. Ich solle das regeln und so, ich sei ja zumindest zu der Zeit auf jeden Fall noch am Start. Irgendwann im Oktober oder so nahmen Christian (Petzi) und Christian (Böttchi) aus Dresden Kontakt mit mir auf, von wegen sie hätten Geld rangeschafft für den ersten Skatepark in Pérez, geackert dafür seit zwei Jahren, es fehle “nur” ein Ort wo sie den bauen könnten. Ich mich rangemacht, dachte halt das wäre bestimmt easy mit der Municipalidad (Stadtverwaltung, kurz Muni), weil ist ja gut für alle wenn die Skater endlich nen Platz kriegen und nicht mehr am Busbahnhof rumskaten müssen und es kostet die Stadt ja auch einfach mal nichts, weil Petzi das ganze verdammte Geld aufgetrieben hat.

Ich mich dann mit verschiedensten Instanzen der Muni auseinander gesetzt, Freunde und Nicht-Freunde des Projekts vorgefunden und vor allem einen riesigen Berg an Bürokratie. Ich bin fest davon überzeugt, Costa Rica hat irgendwann gehört, dass man um so ein richtig heftig entwickeltes Land zu sein voll die fette Bürokratie braucht, damit man Ernst genommen wird und so. Haben sie hingekriegt. Diese Anfänger.

Die Geschichte mit der Muni ist original zu lang und viel zu langweilig um sie zu erzählen, es ging hin und her, und aufgrund eines Volksentscheids, der zur Abwahl des alten Bürgermeisters und sehr lange NICHT zur Amtseinführung einer neuen Bürgermeisterin führte (Anfänger!), auch drunter und drüber, so dass nun, nachdem ich mehr als drei Monate dran war und Petzi und seine Freundin Luise (Louie), Flori und Ali aus Dresden, quasi mit Hammer und Sichel in der Hand, sowie der Skatepark-Archtikt Arne aus Hamburg, der nur sechs Wochen Zeit mitbringt und ohne den wir es direkt mal vergessen könnten den Park zu bauen, bereits angekommen waren, immer noch nix am Start war. Nichts außer ner Menge „könnte“ und „sollte“ und „ahorita“ und „ya casi“ und „müssen nur noch diese Woche abwarten“, aber kein verdammter Platz von 20x25m wo wir unseren scheiß Beton verschütten dürfen. Anfänger. Die eine Olle von der Stadt kam den einen Tag original mit einem Katalog von 50 Seiten freien zur Verfügung stehenden und sonst nicht weiter benötigten Muni-Locations zu einem Treffen. Und keinen davon haben wir gekriegt. Wenn ich nicht so unerwartet Pura Vida geworden wäre in meiner Zeit hier hätte ich glaub ich zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwem von der Muni ganz furchtbares Leid zugefügt. Aber: Nada que ver, está bien! Immer schön lächeln und winken, lächeln und winken, lächeln und winken …

OK jetzt hab ich’s doch schon viel zu ausführlich erzählt, und es war nur ein kurzer Ausschnitt der Geschichte. Der Wendepunkt der Episode I ist unsere Bekanntschaft mit Ricardo (Foto), 17 Jahre alt, ein Skater aus Pérez der hier total aktiv ist, ne kleine Skate-Community namens „Street Foundation“ auf die Beine gestellt hat und mit seinen Rampen, für die er sich voll verschuldet hat, Skateevents in Pérez veranstaltet. Geiler Macker, absolut Pura Vida und hat n Arsch voll Kontakte. Der schleppte uns vergangenen Samstag zu einer Veranstaltung für eine Sportorganisation, mit den Worten „da kommen solche Leute mit richtig heftig viel Geld aus San José!“ Wir, inzwischen mit dem Rücken zur Wand, jeden Strohhalm greifend, hin da, und uns dann auch schon vollkommen fehl am Platze gefühlt, weil das so ne ganz eklige Werbeveranstaltung für eine Sportfoundation war … da stand Ricardo plötzlich auf und hat unser Anliegen vorgetragen, mit treffenden Worten den Pfeffersäcken aus der Hauptstadt und den Zuschauern nahegebracht wie wir hier am hustlen sind. Und wie das Leben so spielt waren da Leute von „Jovenes que salvan Jovenes“ im Publikum, die sich dann Ricardo direkt zur Seite nahmen.

Jovenes que salvan Jovenes ist ein sozialer Verein aus Pérez, mit ähnlichen Zielen wie Vida Nueva, und nem Arsch voll Platz – fast drei Hektar. Die haben nen Fußballplatz, ne Fußballhalle, Duschen, Räume um Workshops zu machen und sogar nen kleinen Kiosk/Imbiss. Und von nix träumen sie mehr, als nen Skatepark zu bauen. BAM. Ein mehr oder weniger optimaler Ort, kostenlos, ohne die Anfänger der Muni, Zusammenarbeit mit Leuten die das gleiche wollen wie wir und den nötigen Freiraum haben, auch geistig. Noch am gleichen Abend mit denen zum Platz gefahren, am nächsten Tag Reunion einberufen mit Vorsitzenden von denen und von Vida Nueva, einen Tag später den Vertrag aufgesetzt. So kannet jehen wa.

Und hier stehen wir also, auf unserem zukünftigen Skatepark, bereit für alles, und warten darauf dass Episode II beginnt – mit mehr Action, noch mehr Drama und Baumaterialien! Coming soon.

Die Rothaarige

Eines schönen Dienstags Ende November kamen der Hannoveraner David (Bild mit Gitarre) und der Hamburger Styx in unser Leben geschneit. Sagt man ja so, hier müsste es eigentlich eher heißen in unser Leben gesonnt. höhöhö. Wieviel Grad sind eigentlich gerade in Deutschland? höhöhö. Darauf erstmal einen Bananenshake, Hundebabies und Reggaemusik! höhöhö.

OK: David und Styx. Die beiden wurden von Dexter und co. in Puerto Viejo an der Karibik-Küste bei starken Drinks und so aufgegabelt und spontan mit nach Pérez gebracht. Dauerte auch nur 2-7 Momente dann waren sie mir auf Anhieb tierisch sympathisch. Von den folgenden Nächten kann ich nicht so viel erzählen, war immer total lustig glaub ich. Echte Brandbeschleuniger waren das, und unser Homie Señor Cortez (Olé!!) tat sein übriges.

Dann aber, eines Tages, als man sich schon daran gewöhnt hatte, dass vor allem David sich dadurch auszeichnet den ganzen Tag auf seiner Matratze in der Küche unseres Apartments zu chillen, und erst gegen Abend wieder auf die Beine zu kommen, kam er von wegen er sei Drehbuchautor, und total heftige Filmidee hätte er, und die Rothaarige, und total Zeitdruck, weil Abgabe im Dezember, und haste nicht gesehen. Dexter und ich Tränen gelacht, vor allem beim Wort Zeitdruck … dass dieser Typ, der seinen schwarzen Arsch wochenlang so überraschend langsam durchs Pérezdise geschwungen hatte, dieses Wort überhaupt im Vokabular hat! NIEMALS war unsere Antwort, NIEMALS wirst du, David Witzbold, in wenigen Wochen einen Film drehen für den du außer der groben Idee noch nichts am Start hast.

Kam anders! Haben wa uns getäuscht wa Dex? Irgendwie kam das ganze dann daraufhin echt in Schwung, zwar unterbrochen von Señor Cortez (olé!!) und Widrigkeiten aller Art, aber auf einmal gabs n Drehbuch. Ne rothaarige bräuchte er, sagte David. Möglichst mit Piercing. Möglichst hübsch aber nicht zu hübsch. Und wir alle so: SUSE! (Auf dem Bild ganz Rechts. Ne echt!) Fast unglaublich, dass wir das perfekte Casting für die Rolle im Zirkus vorrätig hatten, waschechte Gingers laufen einem ja nun nicht jeden Tag übern Weg. Ich weiß auch nicht ob Suse ne waschechte Ginger ist, aber ist auch egal.

David hat dann mich gefragt, ob ich männliche Hauptrolle spielen würde. Voll die Ehre! Auch wenn ichs noch nie gemacht habe zuvor, aber mega geil, sofort dabei, bin ja für jeden Scheiß zu haben, ihr kennt mich ja. Bist ja für jeden Scheiß zu haben, ich kenn dich ja, hat David dann gesagt, rasierste dir dann ja sofort dabei auch ne Halbglatze für den Film. Scheiße. Och nööö. Aber 50$ Schmerzensgeld haben mich am Ende überzeugt. War danach auch 2 Wochen lang der absolute Partybrüller, Henrik mit Hut auf Party und dann nach paar Stunden mal kurz ne Sekunde lüften den Hut. Je nach Zustand die Leute sich schlappgelacht (halbwegs nüchterne), gar nix davon mitgekriegt (besoffene) oder gedacht sie sehen n’ Gespenst (bekiffte). Haha!

So. Nach drei Tagen übelst witzigen Dreharbeiten ist David, übrigens als frisch über beide Ohren verliebter Ritter der Leidenschaft (hi na Kati! haha!) mit dem ganzen Material abgerauscht gen siebter Himmel. Wir nie wieder was gehört von ihm, hätte mich auch gewundert. Wochenlange Funkstille. Wir schon Witze gemacht über die Rothaarige und so. Aber eines schönen Dienstags Ende Dezember kam dann doch der Film. Ich spare mir weitere Worte, bin auch eh sprachlos. Seht einfach selbst:

Nur eins noch: David, du bist n geiler Macker. Immer schön hannoveranisch denken und ich hoffe wir sehen uns bald wieder. War mir ne riesen Ehre dich kennengelernt, bei deinem Kunstwerk mitgeschaffen und lange Abende mit Señor Cortez (olé!!)  verschwendet zu haben. Alles Gute für deine Drehbuchkarriere!!

Feuershow und T-Shirt druck

Tach!

Wir waren vergangenes Wochenende in Dominical, an der Pazifikküste. War total entspannt und richtig schön, Lagerfeuer gemacht, surfen ausprobiert und ganz viel rumgelegen, so wie es sich für ein Strandwochenende eben gehört. Und wir haben Feuershows gemacht, das gehört für mich inzwischen auch schon zum Strand dazu, haben wir ja in Montezuma auch schon gemacht 10 Tage lang über Weihnachten und Neujahr. Der Unterschied ist: diesmal haben wir ein Video gemacht!

Und als Dexter hier war hat er ein geiles T-Shirt entworfen, das sieht so aus:

“ESTE MAE” heißt soviel wie “der Typ”, also jener Typ, viel benutzter Ausdruck. Und das ganze im schicken Rund DMC-Design, ab gehts. Ich werde davon jetzt mal probeweise 12 Stück drucken, von denen noch 6 zu vergeben sind, Preis 7000c oder 14$ oder 11 Euro. Wer eins will lasse es mich wissen!

Tropische Grüße!

Von guten Schwimmern und schlechten Köchen

Zu Weihnachten und Geburtstag habe ich Post von Muddi bekommen. Zwei Bücher waren dabei, “Der Schwimmer” von Szusza Bánk und “Der Koch” von Martin Suter. Komische Titelkombination, was ging da bei Muddi ab? Beide habe ich in den vergangenen Tagen gelesen und führen dazu, dass ich kurz einen Lesetipp und eine Lesewarnung abgeben möchte.

Der Schwimmer spielt in Ungarn, beginnend in den 50er Jahren. Die Ich-Erzählerin ist ein junges Mädchen namens Kata, die mit ihrem apathischen Bruder Isti und ihrem Vater ihre Kindheit damit verbringt monateweise in verschiedensten Ecken von Ungarn bei Verwandten zu leben, nachdem die Mutter Katalin sich von einem Tag zum anderen über die Grenze nach Österreich und von da nach Deutschland abgesetzt hat. Das Trauma von der Mutter verlassen worden zu sein und lediglich gelegentlich Informationen über das neue Leben von ihr zu bekommen, ist das Hauptthema in der Gedankenwelt der kleinen Kata, daneben das ständige sich gewöhnen müssen an neue Lebensumstände mit neuen Bezugspersonen und – wie der Titel sagt – immer wieder das Schwimmen, das einzige Hobby von Isti und die einzige Verbindung, die Kata und Isti mit ihrem Vater aufbauen können.

Die Autorin Szuza Bánk schafft eine Gedankenwelt von der kleinen Kata, die zwischen Naivität, Realität und einem schieren Übermaß an Fantasie pendelt, und die so poetisch mit der Sprache spielt, dass man zwischendurch die Tragik der Geschichte vergisst und einfach mitschwimmt mit Kata und Isti – mehr als einmal musste ich losprusten vor lachen bei dein urkomischen Vergleichen die der apathische Isti zu ernstesten Situationen gibt.

“Der Schwimmer” gewann diverse Buchpreise, unter anderem den aspekte-Literaturpreis und den deutschen Bücherpreis – und das vollkommen zurecht. Dieses Buch ist jeden Euro wert und kann ich nur jedem ans Herz legen!

Ganz im Gegenteil zum Buch “Der Koch” von Martin Suter. Bevor jemand böse wird: Ich bin total subjektiv – Co-Volontärin Melina sagt “was ein schönes Buch, nicht wahr?”, und ich denke ich höre nicht richtig. Aber so ist das halt.

Vielleicht hat Martin Suter auch vor allem Pech gehabt, dass seine Geschichte über den tamilischen Koch Maravan, der in der Schweiz vom Tellerwäscher zum Erotikkoch-Sternchen wird, mir in die Hände fiel nachdem mir Szusza Bánk in den Tagen zuvor schwimmernd die Seele massiert hat, und er mit seinem rumpeligen Formulierungen und halbtiefen Aussagen einfach keinen Stich dagegen sieht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keine große Affinition zum Kochen besitze und mir Ausdrücke wie “geriebene Kokosnuss, Jaggery und feingemörserte Kardamomsamen” einfach mal keinerlei Bild oder Geruchswelt im Kopf erzeugen sondern zu allervorderst ein großes Fragezeichen.

Vielleicht kommt aber Suters Geschichte auch einfach etwas konstruiert daher, wenn Maravan, der von seiner Oma seit frühester Kindheit, nachdem er seine Eltern verlor, mit allen Weisheiten der aphrodisierenden Küche vertraut gemachte, in der Schweiz zum Tellerwäscher im Sternerestaurant Huwyler degradierte, diesen Job verlierende weil er einen Rotationsmixer ohne zu fragen ausleiht um Andrea, das einzige heiße Mäuschen unter den Mitarbeitern des Huwyler, mit seiner aphrodisierenden Kochkunst für einen Abend ihre Homosexualität vergessen zu lassen – was so sehr gelingt, dass sie daraufhin im Huwyler hinschmeißt und mit ihm “Love Food” eröffnet, einen Cateringservice mit sexualtherapeutischer Ausrichtung. Klar kommt das gut an, leider verstrickt sich das kochende Sexhilfe-Pärchen in eine Geschichte mit Waffenschiebern, was sie aufgrund des Callgirls Makeda aus Nigeria, die sie bei der Arbeit kennen lernen da sie von einem ihrer Kunden eingesetzt wird um Sexessen mit dessen Geschäftspartnern wahrzunehmen, und dann die Geliebte von Andrea wird, die ihren Klienten Dalmann in der Zeitung wiedererkennt mit eben jener Waffenschmuggel-Geschichte (boing!), so dass sie ihn dann bei einem weiteren Sexessen umbringen, um ihrem Idealismus nachzukommen. Yippie aye yeah Schweinebacke! Sex, Politik, bisschen Boy meets Girl … here we go. Im Anhang des Buches finden sich alle antörnenden Rezepte  zum nachkochen und selbervögeln.

Sorry Herr Stuter, irgendwie echt nicht. An diversen Stellen des Buches musste ich denken “das hätte auch von mir kommen können”, und das ist für mich das Warnsignal für mangelnde Schreibekunst, ich verdiene mein Geld immerhin nicht mit dem Kram, und das vollkommen zurecht. Und diese Geschichte ist sowas von gemahlenes Bollywood im fruchtigen Zillertal mit ner Prise Mafiagedöns, wobei der politische Handlungsstrang über ein “der böse Waffenschieber, der Panzer über die USA nach Sri-Lanka handelt” nie hinaus kommt, dass ich mehr als einmal laut auflachen musste, mehr aus fremdscham als aus Begeisterung.

Kann ich nicht empfehlen, den Koch – wer kommt mit schwimmen? :-)

Und Schuld sind wie immer …

… die USA.

Gestern sollte Andre kommen, wie in der Lebensplanung angekündigt. Ich fuhr um 7:30 Uhr mit MUSOC-Bus in die Hauptstadt um ihn am Flughafen abzuholen. Direkt um 7:33 Uhr lernte ich meinen Nebensitzer kennen, der seinen Bruder original vom gleichen Flug wie ich Andre abzuholen unterwegs war, todescoole Geschichte, vor allem weil sein Bruder sich am Flughafen nen Wagen mieten würde und uns dann mit zurück nehmen könne. Ich dachte schon, dass das neue Jahr aber mit ner ganz schönen Glückssträhne anfängt. Pfffffff.

Pünktlichst zur gleichen Zeit als der Flug landete waren mein neugewonnener Ticofreund und ich am Aeropuerto, und ich war ganz gut aufgeregt den guten Andre nach langer Zeit wiederzusehen. OK der Flug hat ne Stunde Verspätung, schnacken der Tico und ich halt weiter über dies, das und jenes. Er ist der älteste von 10 Geschwistern, als er jung war hatten sie original nichts und haben ihre Kleider im Fluss gewaschen, jetzt sind sie eine geachtete Familie, weil sich einige in den Staaten gut etwas aufgebaut haben usw

Etwas mehr als eine Stunde später kommt dann sein Bruder an, der original aussieht wie ihm aus dem Gesicht geschnitten, so sehr dass ich mir das Lachen kaum verkneifen kann. Ich warte noch auf Andre, sie gehen schonmal vor zum Auto mieten, wir schnacken uns dann telefonisch ab. Gut.

Aber Andre kommt nicht. Nach zwei Stunden weiterer Wartezeit werde ich nervös und frage rum, wie lange sowas denn dauern könne, so ein Check-Out … bis zu 45 Minuten! Hmmmm. Ich erkundige mich im Office von der Airline, Continental. Ohne Reservierungsnummer keine Auskunft! Ich frage nach Internet um Mails zu checken und da schriebs: Er durfte nicht in die USA einreisen, weil er dieses hijodeputa Visum nicht im Vorfeld organisiert hat. Er wusste es einfach nicht, und es hat ihn auch keiner drauf hingewiesen … ich habs auch vergessen.

Er wurde 5 Std. festgehalten und ausgequetscht was er denn böses in Costa Rica vorhabe und was ihm denn einfällt ausgerechnet über New York zu fliegen, usw. Ihm wurde die Möglichkeit eingeräumt sich online das Visum noch auszustellen, allerdings zu bezahlen mit Kreditkarte, die er nicht besitzt. Und telefonieren, um sich ne Kreditkartennummer abzuholen durfte er auch nicht. Bittedanketschüs. Am Ende musste er von der kanadischen Polizei abgeholt werden (im Flughafen von Vancouver!!!!) und wurde über die Grenze gebracht.

Der Flug ist jetzt verfallen, und 500$ für nen neuen sind auch nicht einfach so aufzubringen. Update folgt …

Fazit: Erstens sind die USA immer Schuld und zweitens wenn ihr trotzdem dieses Land besuchen wollt, und sei es nur zum umsteigen, holt euch dieses scheiß Visum …

Lebensplanung …

… bis Ende Januar.

Am Freitag fahren wir nach Montezuma, (Nordwesten, südlichster Zipfel
der Halbinsel Nicoya, falls du recherchieren willst), um dort
Wiehnacht und Neujahr zu verbringen. Montezuma ist neben Jacó DER
Touristen- und Ferienort Costa Ricas. Dort werden wir natürlich eine
gute Zeit haben und feiern, aber wir werden auch Geld verdienen! Mit
einem Mexikaner, einer Kolumbianerin und einem Nicaraguaner habe ich
eine halbstündige Show ausgearbeitet mit Percussion, afrikanischem
Tanz und Feuerjonglage, die wir dort jeden Tag präsentieren werden und
dabei hoffentlich schön absahnen. :-) Ich kann ja gar nix, aber bin da
so reingerutscht weil die nen Trommler gesucht haben und ich ja schon
immer das trommeln im Blut hatte. So bin ich also jetzt Percussionist.

Am 4. Januar kommt dann Andre, mein bester bester
Freund seit Zivitagen, aus Canada angeflogen um einen Monat mit mir zu
verbringen bevor er nach Deutschland geht. Zusammen werden wir am 8.
Januar nach Granada, Nicaragua aufbrechen, gemeinsam mit einer Gruppe
aus 7 Zirkuskindern vom Circo FantazzTico und ca 10 Volontären. Dort
in Granada findet nämlich ein Kunstfestival statt, vom 8. bis zum 15.
Januar. Und dort werde ich wiederum den Trommler spielen! Die
Musikertruppe des Zirkus, bestehend aus drei richtig guten Musikern,
brauchte noch nen Percussionisten und nachdem sie gehört haben dass
ich in Montezum trommeln werde haben sie mich einfach mit eingeplant
… Ich freue mich natürlich tierisch drauf.

Wenn wir dann wiederkommen haben wir nur 2 Tage aufenthalt in San
Isidro, bevor es weitergeht nach Longo Mai, unserem Partnerdorf, wo
auch n Festival stattfindet, aber viel kleiner und familiärer. Das
wird dann der chillige Teil, vier Tage in Longo Mai.

Und danach schauen wir mal. :-)