Ein Skatepark für Pérez – Episode II

Nach dem Hin und Her in der Episode I geht jetzt auf einmal alles ganz schnell: Ein Bagger kam, sah und glich den Skatepark-Boden an, danach haben wir Rückwände für die Rampen gemauert, Lasterweise rote Erde in verschiedenen Ecken aufgetürmt und dann in stundenlanger Schaufelarbeit zu schon rampenähnlichen Hügeln bewegt. Ich kann jetzt Mauern hochziehen, Zement mischen und wat weiß ich alles, bockt sich ohne Ende. In meinem nächsten Leben werde ich Bauarbeiter glaub ich.

Alles das passiert zentimetergenau und überexakt nach dem Bauplan von Architekt Arne, nee überhaupt nicht, Bauprinzip ist pura vida, was also nicht passt wird passend und nach jedem Handschlag erstmal Pause gemacht. Pura vida, mae. Arne ist 37 Jahre alt und schon 20 Jahre in der Skaterszene Deutschlands am Start. Mehr als fünf Jahre lang brachte er, aufgrund chronischem Geldmangels mehr oder weniger regelmäßig, das Von-Skatern-Für-Skater-Mag “Boardstein” raus, wo er neben dem Vertrieb und allem auch fast alle Artikel immer selbst schrieb. Dadurch ist er in ganz Europa rumgekommen und hat so einige witzige Geschichten zu erzählen. Am Ende war dann irgendwann vorbei weil kein Bock mehr auf den ganzen Stress und durch die Wirtschaftskrise 2009 dann noch weniger Kohle durch Anzeigen am Start gewesen als sowieso schon. Irgendwie so. Danach hat er angefangen Skateparks zu bauen, unter anderem im vergangenen Herbst den Skatepark hinter der Roten Flora in Hamburg fertig gemacht (yeah!!). Der Pura Vida Skatepark ist sein 13ter, bäm. Schon ein geiles Leben, rumfahren und Skateparks bauen.

Beim Bau helfen uns voll viele Leute immer, vor allem Ricardo und seine Skaterfreunde, aber auch Volontäre von Vida Nueva sind mit am Start. Und ein paar nichtmal schaufelgroße Stöpsel von 11 oder 12 Jahren die in der Nachbarschaft wohnen stehen uns jeden Tag auf den Füßen rum, aber manchmal packen sie auch mit an. Vor allem aber nerven sie uns tot und unterhalten uns prächtig.

Momentan packen wir jetzt auf die Erdhügel überall Bewehrungsstahl, angeblich damit später der Zement bleibt wie er soll, ich hab ja keine Ahnung aber vertraue Arne und den dresdner Bauspezialisten blind. Ab Mittwoch kommt dann lasterweise Zement an, yeah, das wird ne riesen Sauerei glaub ich!

Nebenbei planen wir die Episode III … z.B. das Einweihungsfestival am 14. April, mit Livemucke und Skatewettbewerben und alle können hinterm Skatepark zelten, und hoffentlich kommt die heiße neue Bürgermeisterin von Pérez auch vorbei haha. Und ich mach mich jetzt denn ran die Rampen als Werbeflächen zu vermieten, damit cachinggg die Kasse klingelt, und Volontäre will ich auch finden die in den Zimmern da direkt am Skatepark wohnen wollen und den Kids Tricks beibringen und aufpassen, dass die kein Scheiß bauen. Wenn ihr einen kennt, der als skatender Volontär ne Zeit im Pérezdise in Costa Rica verbringen will, dann sagt ihm bescheid, damit der sich mal meldet!

Ein Skatepark für Pérez – Episode I

Es begab sich aber zu der Zeit, da kam ich im April 2011 nach Pérez und lernte den Volontär Mirko Rachow (Foto) kennen. Eines der ersten Gespräche mit ihm, an das ich mich erinnern kann, lief ungefähr folgendermaßen.
Mirko: „Hast du Bock ne Website zu bauen?“
Henrik: „Klar, rockt.“

Im Triumvirat mit Webdesigner Robert machten wir uns ran, haben sechs Wochen getüftelt und gebastelt und es kam raus: www.vida-nueva.co.cr. Mirko dabei als Grafiker und ich als Texter unterwegs. Arbeitsklima: Pura Vida.

Später, so im Juli, als fast alle Volontäre der Saison 2010/11 verschwunden waren und wir nur noch zu viert die Circo-Fahne hochhielten, wurden Mirko und ich richtig dicke, eigentlich schon vorher aber in der Zeit dann richtig richtig. Gefeiert ham wa, Musik verglichen, übers Leben philosophiert. Beeindruckt hat mich der Jung’ vor allem in seinen letzten Tagen in Pérez: Nach wochenlangem hin und her hat er den Auftrag bekommen, 150qm Außenwände des „Praditos“, einer unserer Lieblingsbars, neu zu gestalten. Er hatte nur noch sieben Tage bis zum Abflug.

Also ging Mirko los, kaufte eimerweise Farbe, einige Pinsel und Spraydosen, und malte. Er malte sieben Tage lang, von 11 Uhr morgens bis teilweise nach 2 Uhr nachts, fiel tot ins Bett, nur um am nächsten Morgen um 10 aufzustehen und um 11 Uhr weiter zu pinseln. Absolut überheftiger Macker. Wenn ich ihm nicht ab und zu ‘ne Cola und ein Pinto vorbei gebracht hätte, hätte der außer Ziaretten und nach 18 Uhr auch Bierchen glaub ich gar nichts mehr zu sich genommen. Echte Künstler – schön, dass es euch, schön dass es euch gibt! Überflüssig zu erwähnen, dass das Bild am Ende fertig und richtig geil geworden ist.

So. Nebenbei erwähnte Mirko immer wieder was von irgendwelchen Skatern aus Dresden, die nen Skatepark in Pérez bauen wollen. Irgendwelche Kollegen von ihm, ein Typ mit dem er Design gelernt hat, und der ursprünglich vorhatte ne Doku über den Circo zu drehen aber dann lieber nen Skatepark bauen will und das ganze filmen. Ich solle das regeln und so, ich sei ja zumindest zu der Zeit auf jeden Fall noch am Start. Irgendwann im Oktober oder so nahmen Christian (Petzi) und Christian (Böttchi) aus Dresden Kontakt mit mir auf, von wegen sie hätten Geld rangeschafft für den ersten Skatepark in Pérez, geackert dafür seit zwei Jahren, es fehle “nur” ein Ort wo sie den bauen könnten. Ich mich rangemacht, dachte halt das wäre bestimmt easy mit der Municipalidad (Stadtverwaltung, kurz Muni), weil ist ja gut für alle wenn die Skater endlich nen Platz kriegen und nicht mehr am Busbahnhof rumskaten müssen und es kostet die Stadt ja auch einfach mal nichts, weil Petzi das ganze verdammte Geld aufgetrieben hat.

Ich mich dann mit verschiedensten Instanzen der Muni auseinander gesetzt, Freunde und Nicht-Freunde des Projekts vorgefunden und vor allem einen riesigen Berg an Bürokratie. Ich bin fest davon überzeugt, Costa Rica hat irgendwann gehört, dass man um so ein richtig heftig entwickeltes Land zu sein voll die fette Bürokratie braucht, damit man Ernst genommen wird und so. Haben sie hingekriegt. Diese Anfänger.

Die Geschichte mit der Muni ist original zu lang und viel zu langweilig um sie zu erzählen, es ging hin und her, und aufgrund eines Volksentscheids, der zur Abwahl des alten Bürgermeisters und sehr lange NICHT zur Amtseinführung einer neuen Bürgermeisterin führte (Anfänger!), auch drunter und drüber, so dass nun, nachdem ich mehr als drei Monate dran war und Petzi und seine Freundin Luise (Louie), Flori und Ali aus Dresden, quasi mit Hammer und Sichel in der Hand, sowie der Skatepark-Archtikt Arne aus Hamburg, der nur sechs Wochen Zeit mitbringt und ohne den wir es direkt mal vergessen könnten den Park zu bauen, bereits angekommen waren, immer noch nix am Start war. Nichts außer ner Menge „könnte“ und „sollte“ und „ahorita“ und „ya casi“ und „müssen nur noch diese Woche abwarten“, aber kein verdammter Platz von 20x25m wo wir unseren scheiß Beton verschütten dürfen. Anfänger. Die eine Olle von der Stadt kam den einen Tag original mit einem Katalog von 50 Seiten freien zur Verfügung stehenden und sonst nicht weiter benötigten Muni-Locations zu einem Treffen. Und keinen davon haben wir gekriegt. Wenn ich nicht so unerwartet Pura Vida geworden wäre in meiner Zeit hier hätte ich glaub ich zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwem von der Muni ganz furchtbares Leid zugefügt. Aber: Nada que ver, está bien! Immer schön lächeln und winken, lächeln und winken, lächeln und winken …

OK jetzt hab ich’s doch schon viel zu ausführlich erzählt, und es war nur ein kurzer Ausschnitt der Geschichte. Der Wendepunkt der Episode I ist unsere Bekanntschaft mit Ricardo (Foto), 17 Jahre alt, ein Skater aus Pérez der hier total aktiv ist, ne kleine Skate-Community namens „Street Foundation“ auf die Beine gestellt hat und mit seinen Rampen, für die er sich voll verschuldet hat, Skateevents in Pérez veranstaltet. Geiler Macker, absolut Pura Vida und hat n Arsch voll Kontakte. Der schleppte uns vergangenen Samstag zu einer Veranstaltung für eine Sportorganisation, mit den Worten „da kommen solche Leute mit richtig heftig viel Geld aus San José!“ Wir, inzwischen mit dem Rücken zur Wand, jeden Strohhalm greifend, hin da, und uns dann auch schon vollkommen fehl am Platze gefühlt, weil das so ne ganz eklige Werbeveranstaltung für eine Sportfoundation war … da stand Ricardo plötzlich auf und hat unser Anliegen vorgetragen, mit treffenden Worten den Pfeffersäcken aus der Hauptstadt und den Zuschauern nahegebracht wie wir hier am hustlen sind. Und wie das Leben so spielt waren da Leute von „Jovenes que salvan Jovenes“ im Publikum, die sich dann Ricardo direkt zur Seite nahmen.

Jovenes que salvan Jovenes ist ein sozialer Verein aus Pérez, mit ähnlichen Zielen wie Vida Nueva, und nem Arsch voll Platz – fast drei Hektar. Die haben nen Fußballplatz, ne Fußballhalle, Duschen, Räume um Workshops zu machen und sogar nen kleinen Kiosk/Imbiss. Und von nix träumen sie mehr, als nen Skatepark zu bauen. BAM. Ein mehr oder weniger optimaler Ort, kostenlos, ohne die Anfänger der Muni, Zusammenarbeit mit Leuten die das gleiche wollen wie wir und den nötigen Freiraum haben, auch geistig. Noch am gleichen Abend mit denen zum Platz gefahren, am nächsten Tag Reunion einberufen mit Vorsitzenden von denen und von Vida Nueva, einen Tag später den Vertrag aufgesetzt. So kannet jehen wa.

Und hier stehen wir also, auf unserem zukünftigen Skatepark, bereit für alles, und warten darauf dass Episode II beginnt – mit mehr Action, noch mehr Drama und Baumaterialien! Coming soon.

Die Rothaarige

Eines schönen Dienstags Ende November kamen der Hannoveraner David (Bild mit Gitarre) und der Hamburger Styx in unser Leben geschneit. Sagt man ja so, hier müsste es eigentlich eher heißen in unser Leben gesonnt. höhöhö. Wieviel Grad sind eigentlich gerade in Deutschland? höhöhö. Darauf erstmal einen Bananenshake, Hundebabies und Reggaemusik! höhöhö.

OK: David und Styx. Die beiden wurden von Dexter und co. in Puerto Viejo an der Karibik-Küste bei starken Drinks und so aufgegabelt und spontan mit nach Pérez gebracht. Dauerte auch nur 2-7 Momente dann waren sie mir auf Anhieb tierisch sympathisch. Von den folgenden Nächten kann ich nicht so viel erzählen, war immer total lustig glaub ich. Echte Brandbeschleuniger waren das, und unser Homie Señor Cortez (Olé!!) tat sein übriges.

Dann aber, eines Tages, als man sich schon daran gewöhnt hatte, dass vor allem David sich dadurch auszeichnet den ganzen Tag auf seiner Matratze in der Küche unseres Apartments zu chillen, und erst gegen Abend wieder auf die Beine zu kommen, kam er von wegen er sei Drehbuchautor, und total heftige Filmidee hätte er, und die Rothaarige, und total Zeitdruck, weil Abgabe im Dezember, und haste nicht gesehen. Dexter und ich Tränen gelacht, vor allem beim Wort Zeitdruck … dass dieser Typ, der seinen schwarzen Arsch wochenlang so überraschend langsam durchs Pérezdise geschwungen hatte, dieses Wort überhaupt im Vokabular hat! NIEMALS war unsere Antwort, NIEMALS wirst du, David Witzbold, in wenigen Wochen einen Film drehen für den du außer der groben Idee noch nichts am Start hast.

Kam anders! Haben wa uns getäuscht wa Dex? Irgendwie kam das ganze dann daraufhin echt in Schwung, zwar unterbrochen von Señor Cortez (olé!!) und Widrigkeiten aller Art, aber auf einmal gabs n Drehbuch. Ne rothaarige bräuchte er, sagte David. Möglichst mit Piercing. Möglichst hübsch aber nicht zu hübsch. Und wir alle so: SUSE! (Auf dem Bild ganz Rechts. Ne echt!) Fast unglaublich, dass wir das perfekte Casting für die Rolle im Zirkus vorrätig hatten, waschechte Gingers laufen einem ja nun nicht jeden Tag übern Weg. Ich weiß auch nicht ob Suse ne waschechte Ginger ist, aber ist auch egal.

David hat dann mich gefragt, ob ich männliche Hauptrolle spielen würde. Voll die Ehre! Auch wenn ichs noch nie gemacht habe zuvor, aber mega geil, sofort dabei, bin ja für jeden Scheiß zu haben, ihr kennt mich ja. Bist ja für jeden Scheiß zu haben, ich kenn dich ja, hat David dann gesagt, rasierste dir dann ja sofort dabei auch ne Halbglatze für den Film. Scheiße. Och nööö. Aber 50$ Schmerzensgeld haben mich am Ende überzeugt. War danach auch 2 Wochen lang der absolute Partybrüller, Henrik mit Hut auf Party und dann nach paar Stunden mal kurz ne Sekunde lüften den Hut. Je nach Zustand die Leute sich schlappgelacht (halbwegs nüchterne), gar nix davon mitgekriegt (besoffene) oder gedacht sie sehen n’ Gespenst (bekiffte). Haha!

So. Nach drei Tagen übelst witzigen Dreharbeiten ist David, übrigens als frisch über beide Ohren verliebter Ritter der Leidenschaft (hi na Kati! haha!) mit dem ganzen Material abgerauscht gen siebter Himmel. Wir nie wieder was gehört von ihm, hätte mich auch gewundert. Wochenlange Funkstille. Wir schon Witze gemacht über die Rothaarige und so. Aber eines schönen Dienstags Ende Dezember kam dann doch der Film. Ich spare mir weitere Worte, bin auch eh sprachlos. Seht einfach selbst:

Nur eins noch: David, du bist n geiler Macker. Immer schön hannoveranisch denken und ich hoffe wir sehen uns bald wieder. War mir ne riesen Ehre dich kennengelernt, bei deinem Kunstwerk mitgeschaffen und lange Abende mit Señor Cortez (olé!!)  verschwendet zu haben. Alles Gute für deine Drehbuchkarriere!!

Feuershow und T-Shirt druck

Tach!

Wir waren vergangenes Wochenende in Dominical, an der Pazifikküste. War total entspannt und richtig schön, Lagerfeuer gemacht, surfen ausprobiert und ganz viel rumgelegen, so wie es sich für ein Strandwochenende eben gehört. Und wir haben Feuershows gemacht, das gehört für mich inzwischen auch schon zum Strand dazu, haben wir ja in Montezuma auch schon gemacht 10 Tage lang über Weihnachten und Neujahr. Der Unterschied ist: diesmal haben wir ein Video gemacht!

Und als Dexter hier war hat er ein geiles T-Shirt entworfen, das sieht so aus:

“ESTE MAE” heißt soviel wie “der Typ”, also jener Typ, viel benutzter Ausdruck. Und das ganze im schicken Rund DMC-Design, ab gehts. Ich werde davon jetzt mal probeweise 12 Stück drucken, von denen noch 6 zu vergeben sind, Preis 7000c oder 14$ oder 11 Euro. Wer eins will lasse es mich wissen!

Tropische Grüße!