Tag 32 – Premiere von “Ixmucané”

Am Sonnabend, 07. Mai 2011, findet um 19 Uhr im Complejo Culturál die Weltpremiere des neuen Programms “Ixmucané” des Circo FantazzTico statt, der Show mit der der Circo in weniger als zwei Wochen für insgesamt drei Monate auf Europatournee geht. Es soll der bisher stressigste und aufregendste Tag in Costa Rica für mich werden …

Um 8:30 Uhr treffen sich Robert, Mira, Hanna, Lea, Petra und ich zum Sammeln von Donaciones (Spenden) für den Circo. Wir laufen also auf und ab durch San Isidro und versuchten Supermärkte, Pulperias (Tante Emma Läden, gibts hier an jeder Ecke) und Markthändler dazu zu bewegen, uns Lebensmittel zu spenden damit wir die Zirkus-Kids den Tag über ernährt kriegen.

Robert und ich haben am Tag zuvor geklärt, dass der Zirkus im “La Cascada”, dem Laden in dem ich auch jetzt gerade sitze, zwischen Generalprobe und Premiere essen können, wenn wir die Zutaten dafür vorbei bringen. Die würden das Essen dann zubereiten und Getränke dazu stellen. Geil, oder? Wir besorgen also Reis und Hühnchen für 30 Personen. Klar! Nach dem Auftritt soll es im Complejo Culturál ein Buffet für alle Beteiligten geben mit Sandwiches, Kuchen, etc., dafür sind weitere Spenden nötig.

Um 11 Uhr sind wir alle schon einigermaßen verzweifelt, weil jeder Mitarbeiter aller Läden das gleiche antwortetet, als hätten sie sich abgesprochen: “Solamente el patrón tiene permiso para hacer algo.” (= Nur der alte Chef kann dit entscheiden.) Und klar: Chef is nicht da. Anrufen? Griiiins … nee, haben die Telefonnummer gerade verlegt. Sorry. Tschüs. Einer der Hühner-Händler ist aber schwach genug um hinzuzufügen “er kommt in zwei Stunden wieder!” Bäm zwei Stunden später stehe wir wieder auf der Matte und siehe der Patrón ist am Start – und haut echt zwei riesige Truthähne und n Hähnchen raus.

Dann noch die Video-Cam von Mira wieder fit machen, indem wir n neues Netzteil besorgen und dazu noch n Stativ, es gibt also Videoaufnahmen der Premiere (coming soon!). Dann ist’s aber auch schon 12:30 Uhr, wir müssen in den Comedor und anfangen das ganze Material, die Kostüme usw. zu verladen und zum Complejo zu bringen. Dort aufbauen, alles einstellen und nochmal proben um 17 Uhr ins La Cascada, danach zurück – und um 18 Uhr ist Einlass.

Um 18:45 Uhr lassen wir die Besucher, die sich bis dahin im Foyer drängen, in den Zuschauerraum. Erst dann wird klar, dass das Complejo sich heute Abend bis fast auf den letzten Platz füllt: mehr als 300 Zuschauer sind zur Premiere am Start. Um 19 Uhr macht Robert das Licht aus, die Show beginnt. Ich drücke Record auf der Cam und merke erst jetzt wie meine Hände schwitzen.

Die erste Nummer beginnt. Als mittelamerikanische Götter verkleidet kommen vier Artisten auf die Bühne, stellen die Geburt von “Ixmucané”, dem Gottesvater, nach. Die Spannung in der Luft ist zum Greifen. Die erste Nummer klappt, tosender Applaus brandet auf. Durchatmen. Das ganze Programm dauert mit 24 Nummern und einer Pause am Ende mehr als zwei Stunden. Der Ablauf und viele der Nummern klappen hervorragend – um 21:30 Uhr, am Ende der Show, können alle zufrieden sein mit dieser Premiere.

Nach dem letzten Applaus gehts für die Kids ans Buffet und für uns ans Abbauen, erst um 23 Uhr ist alles wieder im Comedor verstaut und wir alle sind todesmüde aber hochgradig zufrieden mit diesem riesigen Tag.

Tag 28 – Carpa

Jeden Dienstag helfen wir Volontäre im Kirchenpark von San Isidro in der “Carpa”, einer Essensausgabe für Obdachlose, Junkies und andere Bedürftige, ein Projekt der Asociacion “Vida Nueva”, die auch den Circo FantazzTico betreibt. Wir bauen dabei mit auf und ab und beschäftigen uns vor allem mit den Menschen, indem wir mit ihnen schnacken, spielen oder ihnen einfach Gesellschaft leisten.

Um 9 Uhr wird auf dem Platz vor der Kirche ein großes weißes Zelt (=carpa) aufgebaut in dem rund 40 Personen Platz finden. Es werden Tische und Stühle hineingestellt und das von den fleißigen Damen von Vida Nueva vorbereitete Essen bereit gestellt.

Um 10 Uhr finden sich dann meist die ersten Teilnehmer ein, setzen sich zum Domino-Spiel oder um von den Volontärs-Mädels die neuesten Knüpftechniken zu erlernen. Dabei sieht man wöchentlich die gleichen Gesichter, so dass sich schon bei meinem dritten Besuch vergangenen Dienstag direkt eine familiäre Atmosphäre einstellte.

Um 11 Uhr dann startet die Essensausgabe. Die Leute holen sich für symbolische 100 Colones (≈15 Eurocent) eine Essensmarke, mit der sie eine große Portion Reis, Bohnen, Salat und meist auch etwas Fleisch bekommen. Dazu gibt es einen Softdrink.

Bis um 13 Uhr kommen und gehen die Leute, es ist ein buntes Treiben; es fällt dabei besonders auf, dass niemand herumpöbelt, ungeduldig wird oder schlecht gelaunt auftritt. Es wird gelacht, gescherzt, über Gott und die Welt gequatscht.

Wie hungrig die Menschen tatsächlich sind, zeigt sich höchstens beim obligatorischen “¿Quieren más?”, der Frage ob jemand meine Portion weiter essen möchte wenn ich satt bin. Wir Volontäre kriegen nämlich natürlich auch etwas zu essen. Die Freude in den Augen über den willkommenen Nachschlag ist dann echt aussagekräftig und bringt einen zum Nachdenken. Das gleiche passiert nochmal um ca. 12:45 Uhr, wenn die Damen an der Ausgabe ansagen, dass das übrig gebliebene Essen an die noch Anwesenden aufgeteilt wird und im selben Moment alle Leute aus ihren Stühlen aufspringen.

Neben einer günstigen Mahlzeit erfüllt die Carpa aber auch noch einen weiteren Zweck. Die Menschen haben einen wöchentlichen Anlaufpunkt, einen Fixpunkt für ihre Woche. Einen Platz, an dem sie durchatmen und ein wenig jugendliche Energie tanken können. Und nicht zuletzt werden durch diesen Treffpunkt, der potentiellen Interessenten eine verhältnismäßig niedrige Überwindung kostet, einfach mal vorbei zu schauen, auch immer wieder Teilnehmer für Entzugsprogramme gewonnen, die in umliegenden Fincas in den Bergen stattfinden.

Um 13 Uhr bauen wir letztendlich wieder ab und verabschieden uns bis zur nächsten Woche – das Herz voller Freude über die Herzlichkeit, die wir von allen Seiten entgegen bekommen haben, und den Kopf voller Gedanken über das Leid der Menschen und Fragen darüber wie sie diese schwierige Lebenslage mit so einem aufrichtigen Lachen ertragen können.

Tag 24 – Rancho-Fete und Strandtag

Wer das Video gesehen hat, weiß, dass unser Vermieter ganz schön verkackt hat, sogar für Costa-Ricianische “pura vida”-Verhältnisse. Seit über einer Woche baut er nämlich in unserem Vorraum eine Garage für den Nachmieter, der das Haus nach unserem Auszug am 20. Mai übernehmen wird.

Genau genommen baut er die Garage seit dem 20. April. Zufall? Nein! Der Vermieter hat sich – huch! – um einen Monat vertan und dachte unser Vertrag endet bereits an jenem Datum. Dementsprechend wenig rücksichtsvoll war er dann auch mit uns.

Nun hat er aber, nachdem er sich einige Zeit äußerst uneinsichtig gezeigt hat, seinen Fehler eingeräumt und die Wiedergutmachung war/ist so schlecht nicht: Neben einem kompletten Mieterlass für den Monat Mai und selbstverständlich der Zusage, dass wir bis 20. Mai im Casa Nueva wohnen bleiben dürfen, stellte er uns am am vergangenen Freitag die “Rancho” auf seinem mindestens 20 Hektar großen Anwesen zur Verfügung, ein gut und gerne 400qm großer “Partyschuppen” wie man bei uns wohl sagen würde.

Halboffen aber komplett überdacht, komplett ausgebaute Bar mit Kühlschränken, dicke Soundanlage, gesteuert von seperatem DJ-Platz im ersten Stock, große Tanzfläche, Lichtanlage … Eigentlich eine Kneipe auf gutem kommerziellem Niveau, aber eben von Herrn Vermietersen nur privat genutzt.

Keine Ahnung wie er das Teil finanziert hat, mit unserer Miete zumindest sicherlich nicht. Aber die Kühlschränke waren jedenfalls bei unserer Ankunft gut gefüllt und einige Stunden später komplett geleert. Prost! Eine richtig nette Fete war das … Volontäre wissen wie man Party macht!

Um wieder klar zu kommen, ging es gestern an den Pazifik, erstmalig den hiesigen Strand erkundet. Hin- und Rückfahrt getrampt, jeweils von netten Ticos mitgenommen. Wasser bei gut und gerne 25°C, Strand auch sehr nett. Aber heute muss ich nen kleinen Sonnenbrand verarzten, der mir die letzte Nacht versüßt hat. Hat der Rücken wohl nicht genug Sonnencreme abbekommen …

Fotos gibt’s vom Strand leider keine, von der Rancho versuche ich aber noch welche zu organisieren.

Bis die Tage, Freunde!