ich muss hier raus! nach nun so gut wie 90 tagen in costa rica endet mein touristenvisum, und ich muss das land für mindestens 72 stunden verlassen, um danach erneut 90 tage aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. eigentlich eine freundin besuchen wollend, die aber leider verhindert ist, habe ich mich auf panama eingeschossen. dann halt nicht panama city, sondern nach davíd und von da mal sehen. gestern gings los, und es war nicht ganz ohne …
ich habe um 6:30h den bus in san isidro richtung panama genommen. kosten: umgerechnet 2,50 euro. soweit, so gut. um 10:30h war ich in ciudad neilly, wo ich umsteigen musste. bus zum grenzort cañoas. kosten: 50 cent. alles prima. in cañoas angekommen, einem mega hässlichen ort, dessen einzige daseinsberechtigung die grenze zu sein scheint. eine staubhölle voller krummer gestalten, die aussehen, als hätten sie sich zwischen den ländern selbst verloren – beklemmende atmosphäre.
dort gefrühstückt, kaffee getrunken und den passkram erledigt – man muss erst zur CR-behörde, zum “salir”, also ausgang aus CR, sich stempeln lassen, und dann 500m weiter zur panama-behörde zur “entrada”, und sich einstempeln lassen. musste ich erstmal erklärt bekommen aber ging dann auch. so weit immernoch stimmung gut. direkt hinter der grenze fahren die busse nach davíd, hab ich mir vorher erklären lassen. kaum bin ich 10m gelaufen, fragt mich schon auch einer, ob ich nach davíd will, der bus fahre jetzt gleich los. ich so: super! sofort rein da. gut 1 stunde später bin ich vor ort.
aber dann ging der ärger los. der busmensch sagte mir ich solle 2,25 dollar bezahlen – us-dollars sind hier das gängige zahlungsmittel. ich hatte ihn extra vorher gefragt, ob ich in costaricianischen colones bezahlen kann. er hatte zwar die augen gerollt, aber eingewilligt. so. nun hatte ich nur einen schein über 5000 colones, bei uns knapp 10 dollar. bei uns. er sagte mir, dass er wenn er das wechselt dafür höchstens 7 dollar bekäme, gibt mir also nur (nach verhandlungen!!) 5,50 dollar wechselgeld. was eine verhältnismäßig arschteure busfahrt.
ich denke mir also nun aber als erstes mal zur bank, alles in dollar wechseln, damit ich überall wie ein panamese bezahlen kann. laufe also in davíd von bank zu bank, sogar zur “banco nacional de panama”, und suche irgendwen der mir meine scheiß colones in geld verwandelt … aber NIEMAND!! “solamente a la frontera” höre ich jedes mal – nur an der grenze möglich. inzwischen ist es 3:30h pm.
also bus zurück zur grenze, geld dort gewechselt, sogar zum ganz vertretbaren kurs (188 dollar für 100.000 colones). nächsten bus zum alten ziel, wiederum gute zwei stunden später und wesentlich genervter zurück in davíd, einer stadt, die auch beim dritten durchfahren nicht charmanter wird. platt, lieblos, grau. passt, dass es auf der fahrt komplett dunkel zuzieht und in strömen anfängt zu regnen als wir in den busbahnhof einfahren.
auf der ersten fahrt hatte mir ein busmensch auf meine frage hin gesagt, dass es in barqueta, eine stunde von davíd entfernt, einen schönen strand gebe, und auch hotels und hostels usw.. natürlich ist der letzte bus dorthin soeben abgefahren. ein anderer busmensch sagt mir, dass ich aber einen bus nehmen könne der 3/4 der strecke nach barqueta fährt und dann für 4 euro mit nem taxi den restlichen weg zurücklege.
ich zwänge mich also in den überfüllten bus, glücklicherweise den letzten sitzplatz erwischend. wir fahren rund eine stunde immer tiefer ins nichts, während um uns herum das unwetter wütet, der peitschende regen auf dem busdach und in der ferne die gigantischen blitze, die sekundenweise einen blick auf die sonst stockschwarze umgebung erlauben. mir wird etwas mulmig, zumal panama irgendwie, das wird mir langsam klar, nicht costa rica ist – wo in costa rica die menschen lachen, scherzen und einem zugrüßen, wird in panama geschwiegen und vor sich hin gestarrt, so scheint mir zumindest.
am restaurante la nobleza werd ich rausgelassen, ein taxi steht direkt bereit – ich atme durch. der taxista winkt mich ran, fragt mich wohin, ich sehe im gleichen moment, dass das taxi schon voll besetzt ist. nicht zu erwähnen, dass es sich um ein nahezu schrottreifes, notdürftig zusammengehaltenes automobil handelt – aber das kenn ich schon aus CR. ich fragezeichen im gesicht, er, meine sachen im kofferraum verstauend, wiederholt mehrmals “passe a delante!”, geh nach vorne! aber da sitzt doch schon einer!? die tür geht auf, ich schwing mich rein, und zack, sitze mit einem jungen panamesen zusammen auf dem beifahrersitz. “mucho gusto” entflieht es mir mit einem gequälten lächeln.
es stellt sich heraus, dass der taxista sich mehr als busista versteht, denn auf meinem weg nach barqueta biegt er mehrfach nach links und rechts in kaum befahrbare matschige seitenstraßen ein, und lässt einen nach dem anderen zuhause aussteigen. die messerattacke meines sitzplatz-mitbenutzers bleibt aber wider erwarten aus.
am ende bin ich alleine im taxi, und kann den taxista endlich mal nach einem guten, günstigen hotel in barqueta fragen. er kuckt mich fragend an und sagt: “also freundchen, in barqueta gibt es genau EIN hotel – und da kostet eine nacht 80 euro.” ich merke wie mir schwindelig wird. nix anderes? frage ich. keine alternative? “naja … es gibt da so eine bar, die haben zimmer, die sie mal vermieten wollten, aber ich glaube sie machen das noch nicht.” … hin da, ausprobieren, denke ich mir. bitte, glück, mach aus diesem strohhalm ein bett, ich verspreche auch mich nächstes mal vorher kundig zu machen und nicht einfach irgendwie irgendwohin zu fahren wo am ende wenig mehr als gar nichts ist.
der betreiber der vereinsamten bar ist nicht da, seine küchenhilfe erklärt uns, dass er erst alexandra erreichen muss und sie fragen. erwartungsgemäß ein schweres unterfangen, da um uns herum weiter das unwetter tobt und handynetz hier eh so eine sache ist. nach 10 minuten kriegt er sie aber endlich dran und eine antwort: “nicht möglich. der raum ist belegt – mit anderen sachen.” rumpelkammer statt schlafraum. nicht, dass ich etwas anderes erwartet hatte. fick dich, fortuna. fick dich.
einzige möglichkeit die es realistischerweise gibt: zurück nach davíd mit meinem inzwischen liebgewonnen taxista, kosten: 20 dollar plus die 5 von der hintour. auf der fahrt netter smalltalk, ich im halbschlaf, vollkommen fertig. er schmeißt mich bei einem hotel raus, das immernoch 27,50 dollar kostet … aber mir ist inzwischen alles egal. 15 stunden fahrt in den knochen, stinkend, hundemüde. das zimmer ist super, ich schleppe mich noch zum nächsten imbiss, schaufle lustlos reis in mich herein, und lege mich schlafen.
zwölf stunden später, ausgeschlafen im riesigen, sauberen, wohlriechenden bett, sieht heute die welt schon ganz anders aus. wider erwarten ist sogar die sonne wieder aufgegangen. zwar sitze ich immernoch in davíd, die statt scheint magnetische wirkung auf mich zu besitzen, aber im hoteleigenen bücherregal auf dem flur fand sich ein “lonely planet” über panama, und so konnte ich zwar nur erlesen, dass davíd keine reise wert ist, aber wenigstens wurden mir zwei günstige hostels empfohlen, die ich jetzt mal checken gehe. ich für meinen teil fühle mich eigentlich schon wieder ziemlich nach pura vida … das geht ins herz über und ist auch durch so nen tag nicht so einfach zu killen – und evtl. tun sich ja sogar heute ein paar panamesen auf, die meinen eindruck von gestern widerlegen wollen?